Voll, Voller, am Vollsten
Wenn es eine Steigerungsform von „voll“ geben würde, dann wäre sie aus Tierheimsicht momentan wohl erreicht. An die 50 Hunde müssen derzeit versorgt, gefüttert und zumindest annähernd beschäftigt werden. Die wenigsten Hunde davon sind unproblematisch, sondern zeigen in die verschiedensten Richtungen Auffälligkeiten. Täglich strömen neue Abgabeanfragen ein. Hingegen verlassen nur wenige Hunde das Tierheim, sodass neuer Platz gewonnen werden kann. Es ist erschreckend, zum Verzweifeln und eigentlich möchte man nur noch schreien und weinen gleichzeitig. Aber darum soll es in diesem Blogbeitrag nur nebensächlich gehen… Bühne frei für Puma, Kong und Merlin.
Puma
Das Wetter an diesem Tag war eher mäßig. Spätestens als man Puma ansah, verabschiedete man sich auch wieder von seinen sauberen Hundesachen (Ja, manchmal sind sie kurzzeitig sauber). Auch für die junge Hündin war dieses „sauber“ ein absoluter Dorn im Auge und als die Tür des Auslaufes aufging, hieß es nur noch „Feuer frei“. Nachdem die Outfit-Frage dann geklärt war, konnten wir auch mit dem Fotografieren beginnen. Ihr wisst – aufgedrehte Hunde sind für mich und meine Nerven die Königsdisziplin. Bei Puma war das allerdings schnell Geschichte.
Ich habe wirklich selten einen Hund gesehen, aus dem die Lebensfreude so ungebremst und sichtbar herausgeplatzt ist. Bisher konnte sie das nicht, denn ihr Leben fand nahezu ausschließlich in einer Wohnung statt. So ausgeprägt, dass die etwas über 1 Jahr junge Hündin kaum etwas kennt und vor vielen Dingen noch Angst hat – Sei es auch nur die Hütte im Wald. Menschen gegenüber ist sie mega freundlich, aber auch komplett distanzlos. Im Auslauf fand sie einen Stock und meine Güte… wie glücklich sie darüber war. Sie rollte sich, schmiss sich immer wieder auf den Boden, rannte wieder los, warf den Stock hoch – man hätte es stundenlang beobachten können und freute sich einfach nur mit. Fotografisch musste ich entsprechend schnell sein, damit sie nicht direkt wieder aus dem Sichtfeld verschwand. Ob sich Puma auf die Suche nach einem neuen zu Hause machen darf, steht noch in den Sternen und so kann es passieren, dass es die Bilder der glücklich spielenden Hündin nie auf die Vermittlungsseite schaffen.
Kong
Lustig ging es weiter, diesmal mit deutlich mehr Gewicht und Größe… Es ist schwierig seine Größe auf den Bildern rüberzubringen, generell war das Fotografieren des stattlichen Rüden eine Herausforderung für mich. Nicht nur, dass es schwarze Hunde an sich schon in sich haben, auch hatte Kong noch unglaublich dunkle Augen und viele viele Falten im Gesicht. Das fehlende Licht setzt dem Szenario dann noch die Krone auf. Die Krone der Krone waren dann seine Größe und vielleicht auch literweise Sabber, die ungehemmt aus diesem riesigen Maul liefen. Ich sag’s euch, manchmal ist es echt hart 😀
So war wahrscheinlich auch die Vergangenheit von Kong – hart. Dem Tierheim war er bereits bekannt, sein Zustand damals keinen Deut besser. Der Körper übersät mit Wunden, die Rippen deutlich sichtbar und zuletzt ausgesetzt gefunden… Witzigerweise (es ist natürlich NICHT witzig) sollte er kurz zuvor als angeblicher Fundhund im Tierheim abgegeben werden. Wie sich herausstellte, war der „Finder“ jedoch kein Finder und auf Grund der übervollen Lage konnte der riesige Dinosaurier auch nicht aufgenommen werden. Aus heutiger menschlicher Sicht ist es natürlich völlig nachvollziehbar, dass man sich sein Tier dann eben anderweitig vom Hals schafft, anstatt verantwortungsvoll zu warten, bis ein Platz frei wird. Ich meine freie Stellen zum Anbinden gibt es draußen hingegen genügend – die kosten nicht mal was. So läuft es in heutigen Zeiten und traurigerweise würde ein Großteil der Gesellschaft hier wohl zustimmend nicken. Wenn Kong Glück hat, darf er das Tierheim nach seiner Genesung schnell wieder verlassen, aber auch das steht noch nicht fest. Die zukünftigen Halter sollten jedenfalls sehr standfest und sich darüber im Klaren sein, dass er momentan bei weitem nicht sein Idealgewicht hat 😉
Merlin
Merlin der Zauberer kann sich binnen Sekunden von einem wunderschönen, spielenden und freudigen Rüden in eine (immer noch wunderschöne) tickende Atombombe verwandeln. Entsprechend tasteten wir uns gemeinsam langsam an die Geschichte heran und checkten erst einmal, was er so von mir und der Situation hält. Als er so durch den Auslauf stapfte, musste man nicht viel von Hundesprache verstehen, um zu erkennen, wie stolz und selbstbewusst er jeden Grashalm nochmal deutlich klar machte, wer hier das Sagen hat.
Man kann nur munkeln, dass er sein bisheriges Leben wahrscheinlich immer in der Rolle war, Situationen allein und eigenverantwortlich managen zu müssen und er so selbst in für ihn unbekannten Umgebungen direkt in die „Lasst mich, ich mach das schon“ Perspektive springt – Nicht unsicher, sondern ziemlich selbstbewusst. Auf Außenstehende musste er dabei offenbar nie Rücksicht nehmen, vielmehr wurde auf ihn und seine Entscheidungen Rücksicht genommen. Ich bin kein Trainer und selbstverständlich respektiere ich gewisse Entscheidungen meines Hundes, aber wenn das soziale Zusammenleben verdreht wird und mir seitens des Hundes vorgeschrieben wird, wohin ich mich setzen darf und wohin nicht, läuft halt irgendwie was schief. Auch bei seinem Auffinden lief so einiges schief, denn ganz klassisch fand man den süßen Kerl so hübsch, dass er zunächst vom Finder behalten wurde. Hier kam es von Anfang an zu Beißvorfällen, die unter den Tisch gekehrt und nicht ernst genommen wurden (kommt schon, wir alle lassen uns doch gern mal von einem fremden Hund in die Wade zwicken – der sieht doch so hübsch dabei aus). Erst als die Vorfälle schlimmer wurden, gab man ihn offiziell als Fundhund ab. Die Geschichte ist sogar so kurios, dass Merlin nun 2 Chips hat, denn keiner kam auf die Idee, einen möglich Chip des gefundenen Hundes auslesen zu lassen. Stattdessen wurde ihn einfach einer gesetzt, sodass er nun 2 hat. Über den bereits vorhandenen Chip konnte man einen ehemaligen Besitzer ausfindig machen (auf ihn war der Hund noch registriert) und erfuhr glaubhaft noch einige Details über Merlin. Es wird schwer, einen passenden Deckel für ihn zu finden…
Am Ende des Shootings war die Lage sehr entspannt. Merlin fühlte sich sichtlich wohl und unbedrängt, sodass er auch ohne Maulkorb flitzen durfte. Er fand den Stock, den schon Puma zuvor so toll fand und rannte damit wie ein Wahnsinniger umher. Die Atombombe hatte Pause und es zeigte sich ein fröhlicher und total lustiger (und immer noch wahnsinnig schöner) Hund, der es einfach nur genoss umher zu flitzen.
Zum Abschluss…
Möchte ich vorsorglich noch auf folgende Dinge hinweisen:
- Ich bin kein Mitarbeiter des Tierheims, bin dort lediglich ehrenamtlich tätig
- Richtet daher bitte keine Vermittlungsanfragen an mich sondern direkt an das Tierheim Chemnitz
- Nehmt manche Dinge bitte einfach mit Humor… Mir ist bewusst, dass manche Schicksale alles andere als lustig sind
- Die Beschreibung der Hunde ist keinesfalls vollständig – Einen ausführlicheren Steckbrief der zu vermittelnden Tiere findet ihr auf der Vermittlungsseite des Tierheims:


Deine Erklärungen sind immer so klar und verständlich. Weiter so!